„Unsere innovative Lösung optimiert das Management von Logistikprozessen. Sie ermöglicht eine bequeme Verfolgung und Verwaltung von Warenströmen in Echtzeit“, informiert die sanfte Stimme von Gwyneth Paltrow Besucher der Website eines Software-Herstellers.

Auch wenn die US-Schauspielerin diesen Text nie selbst eingesprochen hat: Dank der Unterstützung durch Systeme mit Künstlicher Intelligenz können Unternehmen mit Kunden und Partnern kommunizieren, die aus unterschiedlichen Gründen gesprochene Texte schriftlicher Kommunikation vorziehen.

Wer sich statt von Paltrow lieber von einer anderen Stimme über das Angebot eines Anbieters informieren lassen will, kann mittels Erweiterung im Browser auch weitere Vorlesestimmen wählen – zum Beispiel den Rapper Snoop Dogg.

Digitalisierung für alle

Das Beispiel zeigt: Der barrierefreie Zugang zu digitalen Informationen wird immer wichtiger. Denn ob Verträge abschließen, die Steuererklärung erledigen oder schnell ein Rezept für Kürbissuppe googeln: Die Digitalisierung hat längst alle Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens erfasst und ist zur Voraussetzung für Teilhabe an unserer Gesellschaft geworden.

Wer nicht online präsent ist, nicht digital agieren und kommunizieren kann, ist einerseits von einem Großteil von Informationen ausgeschlossen. Andererseits sind diese Menschen als Zielgruppe für Unternehmen kaum erreichbar.

Laut Statistischem Bundesamt galten 2021 allein in Deutschland 9,4 % der Gesamtbevölkerung als schwerbehindert. Hinzu kommt eine zunehmende Zahl von Menschen, die aus unterschiedlichsten anderen Gründen abweichende kommunikative Bedürfnisse, Vorlieben oder Anforderungen an die Vermittlung digitaler Informationen haben.

Recht auf barrierefreien Zugang zu Informationen

Diese Ansprüche sind inzwischen auch rechtlich mehrfach manifestiert: Artikel 9 der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) garantiert Menschen mit Behinderung eine unabhängige Lebensführung und fordert die Unterzeichner auf, „den Zugang von Menschen mit Behinderungen zu den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und -systemen, einschließlich des Internets, zu fördern”.

Die EU hat dieses Recht über ihre Web Content Accessibility Guidelines auf die Zugänglichkeit von Websites übersetzt. Und in Deutschland garantiert das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) barrierefreien Zugang zu Kommunikationssystemen.

Mit dem Start des Barrierefreiheitsstärkungsgesetz zum 28. Juni 2025 werden in Deutschland neben öffentlichen Institutionen auch Unternehmen dazu verpflichtet, ihre online verfügbaren Dienstleistungen barrierefrei zu präsentieren.

Alt-Texte: Beschreib mir, was du siehst

Tools für automatische Bildbeschreibungen sind zwar schon lange im Einsatz, oft aber in schlechter Qualität. „KI kann Zusammenhänge und Muster deutlich besser erkennen als rein statistisch arbeitende Algorithmen,“ sagt de Oliveira. Die eingangs erwähnte Logistiksoftware beschreibt eine KI also gezielt für eine kaufwillige Person.

Untertitel und Transkriptionen: Zeig mir, was du hörst

Um zu erfahren, wie andere Nutzer die Software nutzen und welche Erfahrungen sie bereits gemacht haben, können Videos und Anwenderberichte von Experten etwa auf YouTube und anderen sozialen Plattformen helfen. Um diese Inhalte barrierefrei bereit zu stellen, nutzen Plattformen Untertitel und Transkriptionen.

Was Webdesigner früher in mühevoller Kleinstarbeit eigenhändig erledigen mussten, übernehmen nun Plattform-integrierte Untertitel-Generatoren. Arbeiten sie mit Künstlicher Intelligenz, liefern sie mit Hilfe von maschinellem Lernen auch bei undeutlicher Aussprache oder schlechter Tonqualität qualitativ immer bessere Ergebnisse.

Die mittlerweile gängigen Tools unterstützen nicht nur Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit dabei, Videoinhalte auch ohne Ton zu verstehen. Wer etwa ohne Kopfhörer in einer vollen Bahn oder im Büro sitzt, freut sich ebenfalls über diesen Service.

3D-Avatare: Übersetze es in meine Sprache

Mehr als 7.000 verschiedene Sprachen gibt es auf der Welt. KI-basierte Übersetzungstools können helfen, möglichst vielen Menschen Online-Informationen in einer ihnen geläufigen Sprache zugänglich zu machen. Knifflig wird es für die Algorithmen, wenn die Zielsprache auf einer gänzlich anderen Grammatik basiert als die Ausgangssprache – etwa bei Übersetzungen vom Chinesischen ins Finnische.

Ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Forschungsprojekt etwa arbeitet an der Möglichkeit, deutsche Texte in deutsche Gebärdensprache zu übersetzen. Das Ergebnis: KI-animierte 3D-Avatare, die Menschen mit Hörbehinderung als Sprachassistenten dienen und automatisiert simultan in Gebärdensprache übersetzen.

Erstveröffentlichung am 30.01.2024 auf marconomy.de veröffentlicht. Ein Gastbeitrag von Karoline von dem Bussche und Domingos de Oliveira (Adesso Mobile Solutions).

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