Wie KI Marketing und PR umkrempelt: Fünf Erkenntnisse von der PHuture Expo 2023

„Du bist Experte für Quanten-Computing und hast über 10 Jahre Erfahrung im Unterrichten von Kindern in Wissenschaft und Technik. Ich möchte, dass du heute mein Lehrer bist und mir Quanten-Computing erklärst, als wäre ich 6 Jahre alt. Und stelle sicher, dass du lustige Beispiele bringst, damit ich es besser verstehe”: Kaum ist der Prompt getippt, wirft die KI einen veritablen Text auf den Bildschirm, der das Prinzip des Quantencomputings sehr anschaulich anhand eines Vergleichs mit Münzen und dem Besuch in einem Süßigkeitenladen erläutert.  

Dicht gedrängt, die Smartphones gezückt, lauschen mehr als 200 Besucher:innen in unserer Agenturküche den Ausführungen unserer KI-Spezialistinnen Karoline von dem Bussche und Valeriia Volkovaia. Die beiden erklären im Rahmen einer Masterclass, worauf es beim Prompten ankommt. Und warum es beispielsweise essenziell ist, bei Textaufgaben auch die eigene Rolle, Tonalität und Zielgruppe zu definieren, um einem KI-Tool das optimale Ergebnis abzuringen. „Wir wollen nicht das Wahrscheinlichste, sondern das Beste“, sagt von dem Bussche.  

Die Masterclass war Teil der zweiten Ausgabe unserer PHuture Expo, die sich in diesem Jahr mit den Chancen und Herausforderungen künstlicher Intelligenz in Marketing und PR beschäftigte. Neben zwei Classes und konkreten Tipps zum professionellen Prompting im Programm: Expertenvorträge zu den brennendsten juristischen Fragestellungen. Einblicke in die KI-Szene in Nordrhein-Westfalen. Eine Präsentation neuester und interessanter KI-Tools für PR und Marketing. Dazu Experience-Stationen, an denen die Besucher:innen den ganz konkreten Umgang mit verschiedenen KI-Lösungen ausprobieren konnten. Und natürlich die Möglichkeit, sich bei kalten Getränken und heißen Burgern mit anderen Gästen über die Herausforderung KI für ihre Arbeit auszutauschen. 

Drei Personen sitzen gemeinsam an einem Schreibtisch und betrachten einen Computerbildschirm mit verschiedenen Bildern, vor einer Wand mit der Aufschrift "PH".

Mut zum Experimentieren 

Christian Temath, Geschäftsführer der Initiative KI.NRW am Fraunhofer IAIS, beleuchtete neben den Anfängen künstlicher Intelligenz die jüngsten Entwicklungen des KI-Standorts Nordrhein-Westfalen. „Damit Dienste wie DeepL nicht einzelne Einhörner bleiben, brauchen wir noch mehr Mut in der Umsetzung innovativer Konzepte”, sagt Temath. Sein Ziel: KI zum Volkssport machen. Als „Spielverderber“ anmoderiert, schlüsselte Oliver Scherenberg die Rechtslage rund um KI-Tools auf. Der Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Intellectual Property und Licensing verdeutlichte dabei auch, warum eine intelligente Regulierung Voraussetzung für eine konstruktive Weiterentwicklung von KI-Anwendungen ist.   

Dass bei der Frage nach Recht und Regeln noch ein großer Handlungsbedarf besteht, machte auch Jens Polomski deutlich: Der Online-Marketing-Experte und bekennende KI-Enthusiast zündete ein wahres Feuerwerk interessanter KI-Tools – von der Video-Synchronisierung über Mindmapping bis hin zur kommenden KI-Integration in die geläufigen Microsoft Office-Anwendungen. „Aktuell passiert sehr viel und wir bauen Open AI in zahllose Programme ein. Das ist noch immer eine Black Box, die wir mit einem kritischen Optimismus behandeln sollten”, sagt Polomski.

Bild Fünf Personen sitzen in einer modernen Küche und führen eine Podiumsdiskussion, während eine Frau ein Mikrofon hält. Im Hintergrund leuchtet ein Neon-Logo mit einem Kopf.
v.l.n.r.: Manfred Engeser, Dr. Iris Heilmann, Jens Polomski, Dr. Christian Temath, Oliver Scherenberg

Fünf Aspekte, die wir gelernt haben

Ob Prompting Masterclasses oder Speakervorträge, Panel-Diskussion oder die KI-Kuriositäten, die Miriam Stanitzek und Martin Rawski, Managing Directors von exofarer, einer der Palmer Hargreaves Subbrand für engineered communication, zum Ausklang des Abends präsentierten: Die PHuture Expo 2023 lieferte fünf Erkenntnisse zu den Folgen des Einsatzes von KI in PR und Marketing:  

1. Der Mensch als Dirigent der KI

Wie wir in Zukunft künstliche Intelligenz nutzen, welche Ergebnisse die Tools generieren und welche Werte sie dabei transportieren – all das liegt in menschlicher Hand. Zum einen an den Entwickler:innen und den Daten, mit denen sie die intelligenten Modelle speisen, zum anderen aber auch an den Anwender:innen selbst. Denn mit unseren Prompts trainieren wir die Tools und schaffen die Datengrundlage, auf der zukünftige Inhalte aufbauen. Die Rolle des Menschen: Nicht Opfer, sondern Dirigent:in aller KI-Systeme, die dem Menschen als nützliche Assistenten das Leben erleichtern.  

2. Wir sehen uns vor Gericht wieder 

Eine gesetzliche Urheberrechtsregelung für den Umgang mit KI gibt es nicht – noch nicht. Diese ist aber unabdingbar, denn ohne Urheberrecht sind per KI generierte Werke nicht geschützt und somit kein exklusiver Inhalt. Weil KI schon jetzt zu groß ist, um sie rechtlich nicht einzuordnen, ist eine schnelle Gesetzgebung gefragt. Scherenbergs Vorschlag: Statt vermutlich jahrelang auf eine offizielle Gesetzgebung zu warten, sollten sich Agenturen gegenseitig verklagen, um so Fallrecht zu schaffen.  

3. AGB lesen und ernst nehmen 

Was viele durch einen schnell gesetzten Haken bestätigen, kann beim Themenfeld KI sogar schnell zur doppelten Stolperfalle werden: Die Rede ist von AGB. Während einige Anwendungen sich in ihren Geschäftsbedingungen nur vage zum Urheberrecht äußern, sprechen andere den Nutzenden die Verantwortung für die erstellten Bildern zu. Klagen Künstler:innen dagegen, dass ein KI-Tool ihre Werke als Input nutzt, haftet die Person, die mit dem Tool ein Bild generiert hat – weil sie den AGB zugestimmt hat. Zudem gibt es Anwendungen, bei denen die Nutzenden die Rechte an den von ihnen erstellten Inhalten an das Unternehmen abgeben, sobald sie die Inhalte hochladen. Wer also unangenehme Überraschungen vermeiden will, sollte vor dem Prompten die AGB genau studieren.  

4. Cool bleiben 

KI ist gekommen, um zu bleiben – da waren sich alle Anwesenden einig. Umso wichtiger ist es, sich mit der Technologie auseinanderzusetzen und die Möglichkeiten der verschiedenen Anwendungen auszuprobieren. Denn nur wer sich mit den Chancen und Herausforderungen dieser neuen, für alle Branchen relevanten Technologie beschäftigt, kann sie selbstbestimmt nutzen und für die eigenen Aufgaben sinnvoll einsetzen.  

5. Interdisziplinärer Austausch ist die beste Schule 

Bei aller Diskussion um den Nutzen und die rechtliche Lage von KI darf die Ethik nicht aus dem Blickfeld verschwinden.Denn für diese Form der Intelligenz, bei der die Grenzen zwischen Mensch und Maschine immer mehr zu verschwimmen scheinen, brauchen wir einen verlässlichen, gemeinsamen Wertekompass als Nutzungsgrundlage. Um die Anwendungen verantwortungsvoll zu trainieren und zu nutzen. Und diskriminierenden Inhalten keinen Raum zu geben und stattdessen Diversität und Offenheit auch in KI-Tools zu fördern. Denn die KI lernt mit den Inhalten, mit denen sie gefüttert wird. Damit möglichst viele Perspektiven und Inhalte in diesen Wertekanon einfließen, brauchen wir einen transparenten Austausch aller Disziplinen – von Technologie über Ökonomie bis zu Soziologie und Philosophie. Auch wir bei Palmer Hargreaves arbeiten aktuell an einem agentureigenen KI-Leitfaden. Und bis dahin bleiben wir neugierig und trainieren weiter. 

Sie möchten wissen, wie Ihr Unternehmen KI jetzt schon operativ nutzen kann? Sie möchten Ihre Mitarbeitenden zu echten Prompting-Profis machen? 

Ob Keynote-Vortrag, individuelle Prompting-Workshops oder Identifikation und Umsetzung von konkreten KI-Use-Cases: Kontaktieren Sie uns gerne und vereinbaren ein Beratungsgespräch mit Frank Sanders. Gemeinsam finden wir ein Format, das zu Ihrem Unternehmen passt.

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