Welche Trends prägen derzeit das Geschäft mit Katzenfutter? Wie können Businessplan, Name und Branding für ein wettbewerbsfähiges Startup in der Tierfutter-Industrie aussehen? Ganze 90 Minuten brauchte unser Executive Creative Director Markus Neckar, um ein paar sehr handfeste Antworten auf diese Fragen zu bekommen. Mit nicht mehr als ein paar Prompts, eingegeben bei ChatGPT und Midjourney. Die von den KI-Systemen generierten Ergebnisse unterzog er einem manuellen kreativen Feinschliff und entwickelte so in anderthalb Stunden die Grundlagen für Tailored Tastes: ein Unternehmen für individualisiertes Katzenfutter. Vorschläge für aufmerksamkeitsstarke Bildmotive für Brand Visual, Anzeigen, Verpackungen und App, einem Slogan („The perfect plate for every paw“), ersten Anzeigentexten (“The perfect plate for the most discerning of cats”) sowie einem Werbevideo mit einer exzentrischen, virtuellen Gründerin inklusive.

Die Chancen von KI für kreatives Arbeiten erkennen

Die kreative Fingerübung zeigt: Generative KI-Tools, die auf Basis einiger weniger Arbeitsaufforderungen in sehr kurzer Zeit Texte schreiben und Bilder komponieren, werden immer besser und sind immer leichter zu bedienen. Aber müssen Kreative deshalb um ihre Zukunft fürchten? Nein. Zumindest nicht, wenn sie sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der KI vertraut machen. Denn darauf kommt es künftig verstärkt an: die Chancen zu erkennen, die KI-unterstützte Tools bieten, und Schritt für Schritt die eigene AI Literacy weiterzuentwickeln – also die Fähigkeit, Tools wie ChatGPT oder Midjourney als Sprungbrett für die eigene Kreativität zu nutzen. Hier sind 5 Tipps für mehr KI-Kompetenz.

1. Prompts: Wie mache ich der KI klar, was ich von ihr will?

Der Mechanismus „Input generiert Output“ – oder, kurz und salopp gesagt, „shit in – shit out“ – gilt auch für die Arbeit mit einer generativen KI. Heißt: Die Qualität der Ergebnisse, die eine KI produziert, hängt unmittelbar von der Qualität des Inputs ab, mit dem man sie füttert. Ob kurz oder lang, ob als Aufforderung oder Frage formuliert: Prompt heißt neudeutsch der Inhalt, den man in den digitalen Textschlitz eingibt und der die KI zur Arbeit bittet. Ein solcher Prompt sollte möglichst alle Informationen enthalten, die für ein angestrebtes Ergebnis nötig sind – und die KI muss den Input verstehen. Je nach Tool sind dafür verschiedene Elemente nötig. Hier zwei Beispiele von 
ChatGPT und Midjourney:

Der Vorteil von KI-Tools mit Chat-Funktion ist die Möglichkeit, die Ergebnisse wie in einem Gespräch immer weiter zu verfeinern. In diesem iterativen Prozess können Nutzer:innen sich Stück für Stück vorantasten, um zu immer ausgefeilteren Ergebnissen zu kommen. Egal, ob es sich um Bilder, Texte, Musik oder Code handelt.

Wer diese Art des Vorgehens beherrscht, bekommt zwar in der Regel nicht auf Anhieb eine perfekte Lösung. Hat aber eine große Chance auf kreative Anregungen, die den Anstoß geben können für neue, eigene Ideen, auf die man von selbst nicht ohne Weiteres gekommen wäre. Und gelangt so entweder schneller zum gleichen Ziel oder in der gleichen Zeit zu einem besseren Ergebnis als ohne KI-Unterstützung. Vielleicht eröffnet sich damit sogar die Chance auf Erfolg in einem neuen Berufsfeld. Denn intelligentes Prompten dürfte gefragt sein, wenn generative KI in immer mehr Branchen Anwendung findet. Wir sind im Übrigen gerade dabei, eine Person mit Prompter-Know-how einzustellen.   
 

2. Codes: Wie kommt die KI auf ihre Antworten? 

Es gibt unterschiedliche KI-Modelle – und verschiedene Methoden, sie zu trainieren. Das Sprachmodell von ChatGPT lernt zum Beispiel nicht nur den Text und die Wörter, sondern auch deren Anordnung. Es hat 175 Milliarden Parameter, um Sätze zu erkennen und Texte zu verfassen. Auch wie die Wörter oder Texte zu bewerten sind, kann die KI maschinell lernen. Bis zu einem bestimmten Punkt: Kombinationen wie „ganz schön schlimm“ können Sprachmodelle irritieren, weil sie positiv und negativ bewertete Wörter auf ungewöhnliche Art verbinden. Und auch ChatGPT schwächelt noch bei unerwarteten oder widersprüchlichen Prompts. Außerdem liefern die für den US-amerikanischen Markt entwickelten KI-Tools in deutscher Sprache oft noch nicht so gute Ergebnisse wie auf Englisch. Doch über Deep Learning lernen die Modelle ständig dazu – jede Eingabe der Nutzer:innen ist für die KI ein kostenloser Trainingsdurchlauf, der ihre Fähigkeiten verfeinert.

Auf Grundlage dieses Inputs generiert die KI den wahrscheinlichsten Output. Sie erkennt die Korrelation, aber nicht den kausalen Zusammenhang. Sie weiß also nicht, warum die von ihr vorgeschlagene Antwort korrekt ist – sie errechnet nur die Antwort, die auf Basis ihres Trainings mit der größten Wahrscheinlichkeit richtig ist. Dabei imitiert sie die menschliche Sprache so gut, dass es immer schwieriger wird, Fehler zu erkennen. Kommt es auf die Fakten an, heißt es daher: kritisch prüfen – wie das bei ChatGPT falsch ausgewiesene Datum des ersten erfolgreichen kommerziellen Flugs der Concorde zeigt.

3. Fakten: Wie wichtig sind die Quellen?

Die Antworten der generativen KI bedürfen auch dann einer Prüfung, wenn der Chat wie bei you.com die Quellen ausweist. Denn auch wenn die Links auf den ersten Blick glaubwürdig erscheinenden, sind sie nicht immer korrekt, wie beispielsweise die Quellen für die Zitate aus der Luftfahrtgeschichte.

Sicher werden solche Fehler immer seltener, je trainierter und damit ausgereifter eine KI ist. Doch die generierten Antworten werden immer den Dateninput widerspiegeln, mit dem sie arbeiten – und damit auch das darin vorherrschende Meinungsbild.  

Ist die Antwort eine Wegbeschreibung oder das nächstgelegene Restaurant, mögen Quellen unwichtig sein. Geht es aber darum, Fakten von Fiktion zu unterscheiden, sind Herkunftsangaben unerlässlich. Denn selbst wenn die KI ihre Antwort diplomatisch mit Sätzen wie „das hängt von verschiedenen Faktoren ab“ einleitet, kann die Reihenfolge der darauffolgenden Informationen einen subtilen Bias vermitteln.  
 

4. Anwendung: Bei welchen Aufgaben helfen KI-Tools? 

Bis es eine dem Menschen überlegene Super-KI gibt, wird Künstliche Intelligenz im Vergleich zu den Fähigkeiten des menschlichen Gehirns an Grenzen stoßen. Dennoch ist der Einsatz von KI schon jetzt für viele Branchen interessant – ob in der medizinischen Forschung oder in der Automobilproduktion. Auch in Kommunikation und Marketing kann KI sehr hilfreich sein, denn sie kann:  
 

  • große Datensätze effizient analysieren und zu neuen Erkenntnissen verhelfen,
  • aus Daten Muster und Trends herauslesen und das Aufkommen relevanter Themen frühzeitig identifizieren,
  • Prozesse automatisieren, vom Social-Media-Management bis zur Content-Erstellung, zum Beispiel hinsichtlich SEO,
  • helfen, den eigenen Bias zu hinterfragen und Zielgruppen besser zu verstehen.

5. Inspiration: Wie KI das Denken anregt 

Clever genutzt, kann KI neben den genannten Einsatzmöglichkeiten vor allem aber eines mit ihren Ergebnissen – inspirieren und zum Nachdenken herausfordern: mit unerwarteten Perspektiven und unberechenbaren Vorschlägen – vor allem, wenn schnelle erste kreative Ansätze in kurzer Zeit gefragt sind.

Schon mit wenigen Stichwörtern können KI-Tools rasend schnell zahlreiche Ergebnisse produzieren, die uns bei der Ideenfindung unterstützen: mit anregenden Wortspielen, Skizzen, Kompositionen. Ade Schreibblockade, willkommen Ideenfeuerwerk! Und das bringt uns wieder zurück zu den Prompts: Hier ist das Ergebnis von Midjourney für den im Beitrag ganz oben abgebildeten Eingabebefehl. Finde die Fehler!

„Wir können KI nicht nur einsetzen, wir können auch von ihr lernen,“ sagt der Informatiker und Hirnforscher Boris Konrad. Und genau das haben wir vor. Wir arbeiten agenturweit an unserer KI-Kompetenz. Wir hinterfragen die Prozesse, prüfen die Ergebnisse und probieren Neues aus – immer wieder. Denn je besser wir die Künstliche Intelligenz verstehen, desto sinnvoller können wir sie im beruflichen Alltag einsetzen.

Eine Prognose, wie sich KI in Kommunikation und Marketing künftig nutzen lässt, finden Sie in unserem E-Paper Künstliche Intelligenz.

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