Mehr Menschen in der Stadt heißt auch: mehr Autos, mehr Abgase, mehr Energieverbrauch. Smart-City-Konzepte sollen unsere Städte zukunftsfähig machen. Köln ist hier schon seit Jahren aktiv – und spannt Unternehmen und Bürger mit ein.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute bereits in Städten. In Deutschland zieht es laut Deutsche Stiftung Weltbevölkerung gar drei Viertel der Menschen in die Metropolen – Tendenz steigend. Kaum überraschend, bieten Städte doch nicht nur Studien- und Arbeitsplätze. In Köln beispielsweise kann ich durch mehr als 50 Museen schlendern, vom Römisch-Germanischen über das Kolumba bis zum Museum Ludwig. Jeden Tag findet irgendwo mindestens ein Konzert statt. Vom kleinen Programmkino bis zum großen Multiplex bieten ein Dutzend Kinos eine Auszeit vom Alltag. Ganz zu schweigen vom vielfältigen Sportangebot der Stadt. 

Heißhunger auf Ressourcen

Der stetige Zuzug an Menschen heißt aber auch: Es wird langsam (zu) voll in unseren Städten – mit entsprechenden Folgen. Die Mieten steigen ins Unverschämte, Mietpreisbremse hin oder her. Straßen sind verstopft, Parkraum ist knapp. Und wir alle verbrauchen immer mehr Wasser, Sprit, Strom, Gas und Öl. Bis zu 80 Prozent des Energieverbrauchs weltweit entfallen laut UN World Cities Report 2016 auf Städte und Ballungsgebiete. Nebenbei produzieren wir immer mehr Müll und Abgase. 70 Prozent der weltweit von Menschen verursachten Treibhausemissionen entsteigen Stadtgebieten.  

Die Städte kämpfen gegen den Kollaps und nutzen dafür die Digitalisierung, oder genauer: Vernetzung und Daten. Sie entwickeln Smart-City-Konzepte und verbinden Straßenlaternen, Parkplätze und Müllcontainer im Internet der Dinge. Schicken Sensordaten in die Cloud, analysieren sie und ziehen Schlüsse für die Zukunft. Und gehen für die Umsetzung solcher Projekte Partnerschaften mit Unternehmen ein, etwa mit Energieversorgern, Netzbetreibern, Hard- und Software-Spezialisten. Denn auch die Wirtschaft hat die intelligente Stadt für sich entdeckt – nicht als Spielwiese, sondern als Geschäftsfeld der Zukunft.  

Als B2B-Agentur merken wir das daran, dass wir immer häufiger Kommunikationsaufträge zum Thema Smart City erhalten – die inzwischen auch immer konkreter werden. Von der Idee zum Use Case. Unsere Kunden starten weltweit Pilotprojekte und Initiativen, sind auf Smart-City-Messen präsent und zeigen ihre Expertise.  

Das Projekt SmartCity Cologne

Dass sich unsere Städte um Nachhaltigkeit bemühen, stellen wir auch vor unserer Haustür fest. Die Stadt Köln beispielsweise hat schon 2011 gemeinsam mit lokalen Unternehmen, Verbänden und Privatleuten das Projekt „SmartCity Cologne“ ins Leben gerufen. Die Initiative widmete sich von Beginn an einem der zentralen und zugleich nachhaltigsten Themen intelligenter Städte, der Energieeffizienz. Motto: Zusammen die Energiewende umsetzen. Aktuell laufen 44 Projekte, an denen rund 60 Partner beteiligt sind. Das sieht dann so aus:  

  • Im Stadtteil Nippes testen Behörden und Firmen auf einer „Klimastraße“ diverse Energieprojekte. LED-Leuchten in den Straßenlaternen sparen 50 Prozent Strom ein. Ladestationen für Elektroautos und -fahrräder fördern die Elektromobilität. Solarbetriebene Stromtankstellen an Sitzbänken laden Smartphones und Laptops auf. Intelligente Verbrauchszähler (Smart Meter) und Smart-Home-Anwendungen helfen Anwohnern zusätzlich, privat Energie zu sparen.
  • Das Projekt „Celsius“ nutzt die Wärme, die bislang über das Wasser in Kölns Abwasserkanälen landet. Wärmetauscher am Boden der Kanäle leiten die gewonnene Wärme jetzt in die Heizungskeller von drei Kölner Schulen. Eine clevere Idee, wie ich finde.
  • Legen Schiffe in Köln an, liefen ihre Dieselgeneratoren bislang stetig weiter, um Strom und Wärme für die Schiffsbesatzungen zu produzieren – und verschmutzten die Kölner Luft. „Schiffs-Tanken“ des Energieversorgers RheinEnergie versorgen ankernde Schiffe jetzt mit Landstrom. Darauf muss man auch erst mal kommen.
  • Für das Projekt „GrowSmarter“ stattet Köln mithilfe von EU-Geldern aus dem Horizon-2020-Programm die Stegerwaldsiedlung im Stadtteil Mülheim mit Photovoltaikanlagen aus. Die versorgen nicht nur die Haushalte mit Energie: Der Solarstrom lässt sich speichern und bei Bedarf zum Aufladen von Elektrofahrzeugen nutzen.

Zur positiveren Energiebilanz der Stadt Köln tragen auch das Fahrradverleihsystem der Kölner Verkehrsbetriebe, die energetische Sanierung des Altbaubestandes oder das Nahwärmenetz einer Holzaufbereitungsanlage bei. Zu Beginn der Smart-City-Initiative konnten alle Kölner Vorschläge machen, welche die Stadt anschließend bei der EU-Kommission zur Förderung einreichte. Und in Umfragen mitteilen, ob sie beispielsweise Leihfahrräder oder Car-Sharing-Systeme nutzen würden. Auch bei laufenden Projekten nimmt Köln seine Bürger mit ins Boot: In Nippes etwa erklären Infotafeln die einzelnen Maßnahmen; ein Bildschirm im Bezirksrathaus zeigt Anwohnern kontinuierlich Stromverbrauch und -ersparnis an. Zahlreiche Informationsveranstaltungen halten die Bürger beim Projekt SmartCity Cologne auf dem Stand der Dinge.  

Genau solche Maßnahmen sind nötig, damit die Idee der schönen neuen Smart City auch bei den Menschen ankommt. Die Städte haben viel zu lange gedacht, wenn sie nur genügend Technik verbauen und dem Ganzen den Stempel „Digitalisierung“ verpassen – ein Begriff, der meiner Meinung nach viel zu inflationär benutzt wird –, wird ihre Stadt schon intelligent werden. Inzwischen setzt sich die Einsicht durch, dass Smart-City-Projekte nicht dazu da sind, damit Techniker sich mal so richtig austoben können. Die Maßnahmen sollen den Bewohnern einen konkreten Nutzen bringen und ihr Viertel lebenswerter machen. Dafür müssen Behörden die Bürger informieren, aktivieren, einbinden. 

Der Bürger als Smart Citizen

So wie in Mülheim: Hier wird der Stadtbewohner dank Photovoltaik auf dem Dach zum „Prosumer“. Er ist zugleich Stromkonsument und -produzent und entscheidet eigenständig, ob er seinen Mieterstrom selbst verbraucht oder ins Netz einspeist. Mitmachen kann der Mülheimer zudem beim Datensammeln: Ein Hardware-Partner der Stadt stattet für eine Studie interessierte Haushalte mit einem Smart-Home-System
aus. Über intelligente Schalter, Thermostate, Fenster- und Türsensoren sowie eine App lassen sich Licht und Heizung nach Belieben auch aus der Ferne steuern und so Energie sparen. Die zentral gespeicherten Daten der Teilnehmerhaushalte nutzen Hersteller und Stadt, um System und Energieversorgung zu optimieren. 

Es ist also eine Kombination aus zwei Prinzipien, die den Smart-City-Konzepten zum Erfolg verhelfen könnte: 

  • Partnerschaften: Städte arbeiten mit Unternehmen Hand in Hand. Das Ziel: Eine Win-Win-Win-Situation. Die Stadt spart Kosten und wird zugleich attraktiver, das Unternehmen gewinnt ein neues Geschäftsfeld hinzu und der Bürger profitiert von einer lebenswerteren Umgebung.
  • Bürgerbeteiligung: Die Menschen werden transparent über Projekte informiert und bringen sich bereitwillig selbst ein, tauschen Daten aus und nehmen aktiv an der Entwicklung ihrer Stadt teil.

Doch dazu müssen Städte eine Hürde in den Köpfen vieler Menschen überwinden. Das Misstrauen, Daten preiszugeben, ist nach den Datenskandalen der vergangenen Jahre gestiegen. Hier lässt sich verlorenes Vertrauen nur durch Offenheit zurückgewinnen: Wenn mir die Stadtverwaltung – oder auch ein Unternehmen – transparent aufzeigt, dass etwa die Messdaten aus meiner Wohnung zu Stromverbrauch und Heizung erst anonymisiert und dann analysiert werden, um die Energieversorgung in meinem Viertel intelligenter zu steuern und so Energie zu sparen, bin ich dabei. Ich will nämlich schon irgendwann sagen können: Mein Köln ist ganz schön smart.  

Kontakt