Umfrage zu KI in der Unternehmens- kommunikation:
Was wir von den Vorreitern lernen können
Vom Turbotool für grenzenlose Produktivität bis zum Jobkiller – Künstliche Intelligenz polarisiert. In der öffentlichen Debatte pendeln die Einschätzungen zwischen Utopie und Dystopie. Doch jenseits solcher Szenarien stellt KI die Mitarbeitenden in Agenturen und Unternehmen vor konkrete Herausforderungen: Dürfen sensible Kundendaten in KI-Tools eingegeben werden? Was passiert, wenn Mitarbeitende private KI-Tools (sogenannte Schatten-KI) nutzen, weil klare Regeln fehlen?
Fest steht: Vor allem in Kommunikation und Marketing verändert KI die Arbeit grundlegend. Wie gehen Kommunikator:innen in der Praxis mit KI um? Welche Rahmenbedingungen braucht es, um die Nutzung im Team zu fördern? Im Rahmen der KI-X-Konferenz in Berlin haben wir ein aktuelles Stimmungsbild eingeholt und 54 Teilnehmende aus Unternehmen, Verbänden und öffentlichen Institutionen zu ihrem KI-Reifegrad befragt. Die befragte Community gehört zu den Vorreitern der Branche – Menschen, die KI bereits aktiv nutzen und deren Erfahrungen für die weitere Entwicklung entscheidend sind.
Erkenntnis 1: Häufige Nutzung, hohes Kompetenzgefühl
Von den Teilnehmenden unserer Stichprobe nutzen 59 Prozent KI-Tools mehrmals täglich– 50 Prozent oft, 9 Prozent sehr oft. Weitere 37 Prozent greifen täglich oder mehrmals wöchentlich auf KI zurück. Diese Nutzungsintensität liegt deutlich über dem Durchschnitt der deutschen Wirtschaft. Zum Vergleich: Eine aktuelle Bitkom-Studie stellt fest, dass nur etwa 36 Prozent der deutschen Unternehmen regelmäßig KI einsetzen.
Auch die Selbsteinschätzung der eigenen KI-Kompetenz steigt mit der Nutzung: Häufige Anwender:innen (oft / sehr oft) bewerten ihre KI-Kompetenz in unserer Umfrage im Schnitt mit 64 von 100 Punkten, gelegentliche Nutzer:innen nur mit 45,8 Punkten. Je öfter KI genutzt wird, desto höher wird also die eigene Kompetenz eingeschätzt. Für Unternehmen am Anfang ihrer KI-Reise heißt das: Niedrigschwellige Einstiege und sichere Experimentierräume fördern einen positiven Kreislauf aus Anwendung und Kompetenzgewinn.
Erkenntnis 2: Wer fragen darf, lernt schneller
Ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor ist die psychologische Sicherheit, Fragen stellen zu dürfen. 77 Prozent der Befragten fühlen sich beim Erlernen von KI sicher genug, auch grundlegende Fragen offen anzusprechen. Diese Sicherheit wird oft unterschätzt, ist aber entscheidend: Wer keine Angst vor „dummen“ Fragen hat, lernt schneller und nachhaltiger. Unternehmen können gezielt solche Safe Spaces schaffen – etwa durch regelmäßige Q&A-Runden, Mentoring-Programme oder offene Feedbackformate. So entsteht eine Kultur, in der Lernen und Experimentieren gefördert sowie Barrieren abgebaut werden. Gerade in einem komplexen und dynamischen Feld wie KI ist eine offene Fragekultur der Schlüssel zu schnellerem Kompetenzaufbau und erfolgreicher Integration im Arbeitsalltag.
Erkenntnis 3: Breiter KI-Rollout braucht starke Vorbilder
Eine interessante Diskrepanz zeigt sich in der Rolle der Führungskräfte. 43 Prozent der Befragten erhalten sehr hohe Unterstützung durch ihre Führungskraft, 17 Personen sogar maximale Förderung. Doch nur 9 Prozent erleben ihre Führungskräfte selbst als aktive KI-Nutzer:innen. In der Gruppe der Early Adopters fällt das kaum ins Gewicht – hier treibt vor allem Eigenmotivation die KI-Adoption voran. Doch die Umfrage macht auch deutlich: Fehlt selbst bei Vorreitern die Vorbildfunktion, wird es für die breite Organisation umso schwieriger. Selbst wenn viele Mitarbeitende eine hohe intrinsische Motivation mitbringen, sind vorbildhafte Führungskräfte grundlegend für einen erfolgreichen KI-Rollout. Sie federn einen holprigen Start ab, indem sie die Rahmenbedingungen vorgeben und bei Bedarf anpassen. Auch nehmen sie durch ihr Engagement im weiteren Verlauf der KI-Transformation die KI-skeptischere Belegschaft mit.
Ein guter erster Schritt: Führungskräfte aktivieren und stärken
Die Ergebnisse zeigen: KI-Transformation braucht Führung, die vorangeht, nicht nur zunickt. Führungskräfte müssen KI aktiv nutzen, Erfahrungen teilen und auch eigene Lernprozesse sichtbar machen. Um die Vorbildfunktion von Führungskräften zu stärken, sind gezielte Qualifizierungsangebote sinnvoll. palmerhargreaves unterstützt Unternehmen dabei mit praxisorientierten Trainings und Workshops für Entscheider:innen. Ziel ist es, Führungskräfte in die Lage zu versetzen, KI-Anwendungen selbst sicher zu nutzen und ihre Erfahrungen aktiv ins Team einzubringen. So entsteht eine Grundlage, auf der KI-Kompetenz und Akzeptanz nachhaltig wachsen können.