Warum uns die Generation Alpha zum Umdenken zwingt
Digital. Digitaler. Generation Alpha. Wer nach 2010 geboren ist, wächst inmitten digitaler Technologie auf, bedient Geräte und Software intuitiv und nutzt sie täglich. Welche Branchen profitieren von diesem Wandel? Was bedeutet das für Unternehmen? Und wie erreichen sie diese neue Zielgruppe?
Endlich Kindergarten: Aufgeregt bereitet die zweijährige Tochter eines Kollegen ihre rosafarbene Lieblingstasche für ihren ersten Tag vor. Und packt ein Geschenk ihrer älteren Cousine aus: eine Brotdose, bedruckt mit einem Bild der beiden. Die Freude über das Präsent verfliegt jedoch schnell. Denn anders, als sie es vom Tablet ihrer Eltern kennt, folgen beim routinierten Wischen über das Motiv keine weiteren Bilder auf der Oberfläche der bunten Plastikbox.
Was auf den ersten Blick befremdlich wirken mag, ist für die
Generation Alpha selbstverständlich: Die nach 2010 Geborenen erleben die Welt vor allem digital. Digitale Technologie ist für sie nicht mehr potenzielles Werkzeug, sondern tägliche Lebensweise. Denn sie sind von Kindesbeinen an in einer Umgebung aufwachsen, in der immer intelligentere und vernetztere Geräte mit der physichen Umgebung verschmelzen.
Eine Generation als Inbegriff der digitalen Transformation
Noch stecken die Alphas in der Grundschule, in Pampers oder sind noch gar nicht geboren. Doch eins ist sicher: Diese Kinder wachsen hoch technologisiert und gut ausgebildet auf. Sie sehen die ersten YouTube-Videos, noch bevor sie ihr erstes Wort sprechen. Und das richten sie womöglich eher an Alexa oder Siri als an ihre Eltern.
Genau in dieser Selbstverständlichkeit im Umgang mit der digitalen, mitunter gar virtuellen Welt liegt ein enormes Potenzial für Unternehmen und B2B PR-Agenturen: für ihre Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen. Und in der Art und Weise, mit dieser Zielgruppe zu kommunizieren. Denn die Alphas werden von Marken und Produkten erwarten, dass sie transparent sind, nachhaltig wirtschaften und der Gesellschaft einen Mehrwert bringen oder Erleichtungen im Alltag bieten – zugleich aber individuelle Bedürfnisse befriedigen. „Wer heute eine effiziente Marketingstrategie entwickeln möchten, muss Menschen dazu inspirieren, sich für eine Idee zu begeistern“, sagt Kommunikationsexperte Scott Goodson. „Die Leidenschaft von Millionen von Menschen setzt ernorme Marketingkräfte frei, die Unternehmen dann für ihre Produkte nutzen können.“
Schon ein Blick auf die Zahlen und einzelne Industrien bestätigt das: Erblicken 2025 die letzten Alpha-Babys das Licht der Welt, zählen laut Sozialforscher Mark McCrindle 2,5 Milliarden Menschen rund um den Globus zu dieser Generation. Und mit ihnen geht eine große Kaufkraft einher. Zum einen durch die Eltern: Anders als vorherige Generationen bekommen sie später im Leben Kinder und meist nicht mehr als eins oder zwei. Heißt: Sie investieren mehr Geld in den Nachwuchs – sei es für Gesundheit, Spielsachen oder Technik. Insbesondere bei Letzterem denken 58 Prozent von ihnen an ihre Kinder oder besprechen die Anschaffung vorab mit ihnen. Im Fokus: Der Mehrwert von Spielzeug oder Mobilgerät sowie die Möglichkeit, die kindliche Entwicklung damit zu fördern. Zum anderen durch die Kinder selbst, die sich entsprechendes Spielzeug wünschen oder vom eigenen Taschengeld selbst bezahlen.
Für Unternehmen heißt das: Weniger stereotype Markenversprechen, mehr Bedürfnisbefriedigung, um die Käuferschaft langfristig binden. Dabei wird gesprochene Sprache immer wichtiger, schließlich ist sie die natürlichste Form der Kommunikation.
Künstliche Intelligenz im Kinderzimmer
Aber ein Teddy nur zum Kuscheln? Das war einmal. Spielen, quatschen, ausprobieren – Alpha-Kids erwarten von ihrem Spielzeug mehr, als nur niedlich oder cool zu sein. Gleichzeitig kommunizieren sie ganz selbstverständlich mit ihren interaktiven Spielsachen, betrachten sie als Teil der Familie. Immer mehr Spielzeughersteller gehen heute schon auf die interaktiven Fähigkeiten und Interessen der Kinder ein, machen diese Interaktion mit Hilfe von Augmented Reality (AR), Künstlicher Intelligenz (KI) und Internet of Things (IoT) möglich: Teddybär Parker erwacht durch AR-Effekte zum Leben. Lego Boost ermöglicht Kindern, die bunten Bausteine per App zu einem smarten Roboter zu programmieren. Die Smart Watch Octopus hilft den Kleinen dabei, die Uhrzeit zu lernen und zugleich Verantwortung im Haushalt zu übernehmen durch kleine Aufgaben wie Gassi gehen, Zimmer aufräumen oder Tisch decken. Ein Markt mit Zukunft: Laut Marktforscher Juniper Research steigt der Markt für smartes Spielzeug bis 2023 auf16 Milliarden Euro.
Technik macht Schule
Der High-Tech-Fokus prägt auch den nächsten Lebensabschnitt der Generation Alpha: Schule, Studium, Weiterbildung. Vernetzte Klassenräume, visuelles und virtuelles Lernen sowie interaktives und kollaboratives Arbeiten prägen ihre Lernumgebung: Auf Tablets werden Projekte kreiert, Aufgaben und Lösungen mit Lehrern und Klassenkameraden geteilt und Hausaufgaben besprochen. Zugleich erhält AR-Technologie immer mehr Einzug in den Lernalltag und bietet Wissenschaft zum Anfassen: Im Geschichtsunterricht tauchen digitale Zeitzeugen auf, im Biologieunterricht erforschen die Schüler den menschlichen Körper von Kopf bis Fuß virtuell. Dabei können sie einzelne Objekte bewegen oder herausgreifenund passende Informationen abrufen, Lehrer Tipps, Lernvideos oder Zusatzaufgaben integrieren.
In Pause und Freizeit werden Social Media Plattformen zur Spielwiese, die einem steten Wandel unterzogen ist. Jugendliche kehren etablierten Playern wie Facebook schon seit längerem den Rücken zu und nutzen Alternativen wie Snapchat, Whats App, Instagram, Twitch oder You Tube – und seit neustem TikTok.
Wer die Wahl hat, hat die Wahl
Kurz, spätestens für die Generation Alpha gilt: Informationen und Auswahlmöglichkeiten sind fast unbegrenzt. Einerseits. Andererseits kaufen und konsumieren Kunden ganz bewusst und sehr stark zugeschnitten auf ihre individuellen Bedürfnisse, die zu erfüllen mit Hilfe der Digitalisierung immer einfacher wird. Dabei spielen Wahlfreiheit, Diversität und Authentizität eine wichtige Rolle. Doch wie können Unternehmen diese Entwicklungen für sich nutzen? Und wie kommunizieren sie mit diesen Zielgruppen idealerweise?
Agiles Marketing ist das Stichwort: Schnelle und flexible Maßnahmen, die unmittelbar auf Veränderungen reagieren. Ein einseitiges Marketing von der Marke zum Kunden hat ausgedient, ein flotter TV-Spot zur vermeintlich besten Sendezeit reicht nicht mehr: Konsumenten wollen die Produkte erleben, mitgestalten, sich mit ihnen identifizieren. Wünsche und Vorlieben wechseln dabei ebenso schnell wie das Vertrauen in eine Marke, wenn sie Negativschlagzeilen macht. Für Unternehmen heißt das: Weniger stereotype Markenversprechen, mehr Bedürfnisbefriedigung, um die Käuferschaft langfristig binden. Dabei wird gesprochene Sprache immer wichtiger, schließlich ist sie die natürlichste Form der Kommunikation. „Je menschlicher die künstlichen Schnittstellen werden, desto besser werden Systeme auch unsere Emotionen ansprechen können“, so die Autoren der Hotwire-Studie Understanding Generation Alpha.
- Erst die Bedürfnisse der Zielgruppe, dann der Kanal:
Wer Kundenbedürfnisse identifiziert, kann diese besser mit passenden Services und Produkten stillen. Dabei rücken Mehrwert und Nutzerversprechen von Produkten und Dienstleistungen immer mehr in den Fokus – ganz gleich ob Alpha-Kind oder Millenial. Technik-Tools und KI-basierte Technologien helfen dabei, den passenden Zeitpunkt und zielgruppengerechte Inhalte zu definieren – auch, um Shitstorms zu vermeiden oder Kunden mit aufdringlicher Werbung zu verstimmen. - Markenbindung via Community Building:
Wer langfristig das Vertrauen der User gewinnen will, setzt auf Dialog statt Monolog – und zwar auf Augenhöhe mit seiner Community. Videoinhalte werden dabei immer wichtiger, ungeachtet der Altersgruppe, die Marketer darüber adressieren. - Mitarbeiter als Markenbotschafter:
Jedes Produkt braucht heutzutage ein Gesicht. Warum nicht diejenigen aus den eigenen Reihen zum Corporate Blogger machen? Schließlich kennen sie die Themen am besten – und vermitteln sie glaubwürdig. - TikTok auf die Marketingagenda:
Zwar richtet sich die Kommunikation primär an junge Konsumenten. Doch sind dies die Arbeitnehmer von morgen. Und wachsen mit einem ganz anderen (Selbst-)Verständnis für digitale Kommunikationskanäle auf, die Unternehmen gewinnbringend für ein zielgruppengerechtes Marketing einsetzen können. Deshalb eignet sich die Plattform auch bestens für Recruitingmaßnahmen und Employer Branding. Zudem können speziell erklärungswürdige Branchen ihre Themen über TikTok spielen, um Konsumenten auf sich aufmerksam zu machen.