Ein Traumtor mit seinem berühmten linken Fuß im letzten Länderspiel seiner Karriere, Lobgesänge von Weggefährten, Funktionären und 60 000 Fans, tagelange Huldigungen in den Medien – zu seinem Abschied aus der Nationalmannschaft wurde noch einmal deutlich: Lukas Podolski hat in den vergangenen 15 Jahren mehr geschafft als nur Tore zu schießen, Titel zu sammeln und Geld zu scheffeln. Er ist zur Persönlichkeit gereift, weit über die Grenzen des Fußballs hinaus. Was Führungskräfte von Poldi lernen können: In acht Schritten zur Persönlichkeitsmarke im digitalen Zeitalter.

Erkenne Deine Stärken und pflege sie

Schneller Antritt, starker linker Fuß: Die Kernkompetenz des Fußballers Lukas Podolski ist schnell erzählt. Und war doch genug für eine beachtliche Karriere: Engagements bei Top-Arbeitgebern in Serie, mehr als zehn Jahre gesetzt im Kreis der Besten seiner Disziplin. Eine beachtliche Entwicklung. Auch, weil er früh erkannte, was er konnte – und was nicht. Stratege, Dribbelkönig, Abwehrchef? Nix für Poldi, den Instinktkicker und Vollblutstürmer. Dass er um seine Stärken wusste, deutet sich schon an, als er als kleiner Knirps auf dem Bolzplatz im Dörfchen Bergheim eifrig Sonderschichten schiebt: Annahme rechts, Schuss mit links, Vollspann, volles Risiko. Immer und immer wieder. Erst fliegen die Bälle in Nachbars Garten, dann in den Fangzaun, später an die Latte und schließlich immer öfter ins Netz. Diese linke Klebe, nimmermüde bis zur Perfektion weiterentwickelt, wurde sein fußballerisches Markenzeichen. „Auf meinen linken Fuß konnte ich mich immer verlassen“, formulierte Podolski so schnörkellos wie der spielte. „Fußball ist einfach: Rein das Ding - und ab nach Hause.“

Sei zielstrebig, authentisch und bescheiden

„Ich habe viel Geld für Frauen, Alkohol und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst“: Mit seinem legendären Spruch über seinen lockeren Umgang mit Geld hatte der weltweit verehrte irische Fußballprofi George Best die Lacher auf seiner Seite. Ein Spruch dieser Sorte vom kickenden Spaßvogel Podolski?  Unvorstellbar – aus gutem Grund: Keine Affären, kein Alkohol – nicht mal ein Kölsch im Karneval gönnt sich Prinz Poldi. Dafür war ihm sein Fortkommen als Sportler immer viel zu wichtig. Ein Vorbild an Disziplin, auf wie jenseits des Platzes. Immer ist er mit vollem Engagement dabei, stets stellt er sein Ego in den Dienst der Mannschaft, nie hat er sich hängen lassen. Und so mit dafür gesorgt, dass sich das auch in seinem Umfeld keiner erlaubt hat. Egal, ob im Training, im Spiel oder auf der Reservebank. Obwohl schon mit Anfang 20 millionenschwerer, umschwärmter Posterboy, waren ihm  Starallüren stets fremd. Sein Drang zur öffentlichen Entgleisung – affige Frisuren, schrille Kleidung, Wildpinkeln, Rosenkriege: Fehlanzeige. Statt auf Partys verbringt er seine Freizeit lieber mit der Familie. Unterstützt mit seiner Stiftung soziale Projekte für Kinder. Und bewahrt sich so ein für sein berufliches Fortkommen förderliches Umfeld. Denn er wusste immer, was ihn stark gemacht hat: "Die Liebe zum Fußball ist so wie mit der Familie und der Frau - die ist immer da."

Teste Grenzen, lerne aus Fehlern – und teste weiter

Geißbockheim und Karneval: Eigentlich wäre Prinz Poldi am liebsten für immer in Köln geblieben. Doch trotz seiner unverbrüchlichen Liebe zur Domstadt war er Profi genug, um zu erkennen: Voran kommt nur, wenn sich auf Neues einlässt. Also wechselte er immer mal wieder das Terrain. Und ließ sich auch von Rückschlägen nicht bange machen. Tankte nach seinem missglückten Engagement bei Bayern München wieder Selbstbewusstsein daheim in Köln, wo er neben seiner Fußballkarriere ein Label für Freizeitkleidung etablierte. Dann den Sprung nach London wagte, nach Istanbul weiterzog und seine Karriere nun in Japan beenden wird. Um irgendwann wieder zu seinen Kölner Wurzeln zurückzukehren. Vom talentierten Jungspund gereift zu erfahrenen Persönlichkeit.

Führe mit Jefööhl und Empathie

„Ich denke nicht vorm Tor - das mach ich nie“: Was nach überschaubarem Intellekt klingt, ist eine von Podolskis entscheidenden Stärken: Bauchgefühl und Empathie. Beim Grübeln erwischte man ihn selten, stets schenkte er seinem Gegenüber ein Lächeln, war seinem Umfeld zugetan. Vermittelte Neulingen schnell das Gefühl, voll dazu zu gehören. Holte Verletzte und Reservisten aus dem Frustloch. Hat integriert und nie einen Unterschied gemacht. Spürte aber auch genau, wer im Team auf seiner Wellenlänge war, wem er trauen konnte und wem nicht. Und hatte stets sensible Sensoren, wenn einer seiner Weggefährten in Schwierigkeiten zu geraten drohte. Wie etwa Joachim Löw, als Bundestrainer Poldis Vorgesetzter und Ziehvater in Personalunion: Der hatte sich während eines Spiels bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich im Sommer 2016 vor laufender Kamera in den Schritt gefasst. Ein Skandal drohte – hätte Podolski auf der anschließenden Pressekonferenz nicht spontan den Ausputzer gegeben:  „Ich denke, 80 Prozent von euch – und ich – kraulen sich auch mal an den Eiern. Und daher ist alles gut." Warum er sich immer wieder so vor andere stellte? Weil er, um seine Topleistung abrufen zu können, auf Harmonie bedacht war – bis ins letzte Detail. „Ich möchte keinen Höhepunkt herauspicken“, sagte er auf die Frage nach den Highlights seiner Karriere. „Das wäre unfair den anderen Momenten gegenüber.“

Lach mal wieder

Bei allem Talent und Fleiß, bei aller Disziplin und Zielstrebigkeit: Dass ihm im Laufe seiner Karriere so viel gelang, hat Podolski nicht zuletzt seinem Humor zu verdanken. Wo er war, war gute Laune, vor ihm war niemand sicher – kein  Trainer, kein Mitspieler, kein Betreuer, kein Lagerkoller. War ein schlafender Mitspieler zu filmen oder in den Pool zu werfen, war Podolski nicht weit. Oder wenn es galt, Journalisten Rede und Antwort zu stehen („ich gebe euch kurze Antworten, dann müsst ihr nicht so viel schreiben“). Dabei waren es nicht einmal diese Sprüche, die ihm Lacher, Respekt und Anerkennung verschafften. Sondern seine positive Grundhaltung und optimistische Ausstrahlung auf Andere – eine unverzichtbare Stütze gerade auch in sportlichen Krisen. Er wusste immer: Wer über sich selbst lachen und in den stressigsten Situationen Komik erkennen kann, der eröffnet sich wichtige Freiräume. Wird zum Motor und Motivator.  Kurz: Wer führen will, muss witzig sein.

Feiere Deine Erfolge

Wer viel rackert und erfolgreich ist, der darf auch feiern – so hat Poldi es immer gehalten. Nicht, um sich bis zur Besinnungslosigkeit abzuschießen. Sondern, um den Moment zu genießen im Kreise seiner Mitstreiter. So hatte er sich auch nach seinem Abschiedsspiel in Dortmund ausdrücklich auserbeten, dass man im Hotel „irgendwas aufbaut“ für ihn. Denn ob im Job oder privat – man muss die Feste feiern wie sie fallen.

Pflege Deine Basis

„Und danke an die Fans – ohne euch wären wir nichts“: Was sich bei vielen Spielern wie eine lästige rhetorische Pflichtübung anhört, ist für Lukas Podolski unverzichtbarer Bestandteil seines Erfolgs. Ob in guten, ob in schlechten Tagen: Stets hat er die Nähe zu seinen Anhängern gesucht. Ist allen Wünschen nachgekommen, hat sie nie stehen lassen, hat Autogramme geschrieben und für Selfies posiert. Selbst bei den Kinder-Trainingscamps seiner Stiftung kickt er regelmäßig mit. Weil er weiß, dass seine Fans zur Basis seines Erfolgs gehören. Weil er es gern macht. Und die Fans ihm diese Haltung immer abgenommen haben. Regelmäßige Poldi-Jubelchöre in den Stadien sprechen eine deutliche Sprache.

Sei präsent in den digitalen Medien

Fast acht Millionen Likes auf Facebook, mehr als drei Millionen Follower auf Twitter, auf Instagram ebenso präsent wie auf Snapchat: Ohne Zweifel, Lukas Podolski ist nicht nur in den Stadien, im Blätterwald und im TV präsent – er hat die Kraft der digitalen Medien für sich erkannt und genutzt.  Um seine Fans auf dem Laufenden zu halten, um im Gespräch zu bleiben. Und immer mal wieder eine News zu verkünden – zur Karriere, Werbepartnern, seinem sozialen Engagement. Oder seine Audience mit einem flapsigen Spruch zu unterhalten. So inszenierte er schon den Countdown im Vorfeld seines Abschiedsspiels zur öffentlichkeitswirksamen Show. Und schaffte dabei immer den Spagat zwischen dem Versenden eigener Botschaften und dem Gehör für die Interessen seiner Zielgruppe –unverzichtbar für jede Führungskraft auf dem Weg zur Persönlichkeitsmarke.

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